Über Karen Horney

Karen Horney (*1885 †1952 in New York ) trug mit ihrer Arbeit ganz wesentlich zur Entwicklung der Psychoanalyse und der Psychotherapie insgesamt bei. Mit ihrem letzten und wichtigsten Werk, "Neurose und menschliches Wachstum - Das Ringen um Selbstverwirklichung" (1950) gelang ihr eine geistreiche und praxisrelevante Analyse der menschlichen neurotischen Störungen, die von vielen Theoretikern und Praktikern der Psychoanalyse, aber auch der beginnenden humanistischen Psychotherapie aufgegriffen wurde. Eine ausgezeichnete Darstellung ihres Lebens und Werkes findet sich bei: Bernhard J. Paris: Karen Horney. Leben und Werk. 1994. Neuauflage Psychosozial-Verlag 2006.
Siehe auch die Webseite der International Karen Horney Society: http://plaza.ufl.edu/bjparis/

  • Fritz Perls hat von Karen Horney viel gelernt, wie er selber ausdrücklich sagte. Er war lange Zeit bei ihr in Supervision und begab sich auf ihren Rat hin in weitere Lehranalyse zu Wilhelm Reich. Sie war es auch, die Fritz Perls von Südafrika nach New York und damit in die USA brachte. Fritz Perls und die Gestalttherapie hat Theoretisches und Methodisches von Karen Horney übernommen: So auch die Bedeutung des Hier und Jetzt und die Vorrangigkeit der Arbeit mit der gegenwärtigen neurotischen Struktur des Analysanden gegenüber der Analyse der Vergangenheit, das wahre Selbst gegenüber dem entfremdeten Selbst, und vieles andere. Sie war somit Mitbegründerin der humanistischen Psychotherapie.
    Abraham Maslow, der von vielen als Vater der Transpersonalen Psychologie bezeichnet wird, war ein Schüler Karen Horneys. Während er eine Theorie über die ganzheitliche Entwicklung des Menschen und seine Selbstverwirklichung entwarf, analysierte Karen Horney eben genau die Strukturen, die dieser Selbstverwirklichung im Wege stehen, wie auch der Untertitel ihres Werkes "Das Ringen um Selbstverwirklichung" zum Ausdruck bringt. Karen Horney und Abraham Maslow haben also einander ergänzende Grundlage der Transpersonalen Psychologie geschaffen.

  • Die Begriffe des „wahren und falschen Selbst“ spielten seit den fünfziger Jahren eine wesentliche Rolle in der Entwicklung der Psychoanalyse: im Rahmen der Objektbeziehungstheorie, der Theorie über narzisstische Störungen und der Ich-Psychologie. Karen Horney war wahrscheinlich die Erste, die diese wesentlichen Begriffe definierte.

  • Die gesamte Enneagramm-Arbeit in der uns heute vorliegenden differenzierten Form, die sich als Weg der Selbsterfahrung und Selbsterkenntnis seit Beginn der neunziger Jahre außerordentlich verbreitet, wäre ohne Karen Horneys Arbeit nicht denkbar. Enneagramm-Arbeit stellt eine differenzierte und wirksame Arbeit mit der tieferen Charakterstruktur des Menschen dar. Claudio Naranjo, ein Schüler von Karen Horney, schuf mit seiner Enneagramm-Arbeit  eine Synthese von altem und neuem Wissen: Er führte das alte Wissen über die Persönlichkeit und Charakterstruktur mit der Analyse und Therapie der neurotischen Struktur, wie Karen Horney sie entwickelt hat, zusammen. Die einzelnen neurotischen Strukturen nach Karen Horney und die Charakterfixierungen in der Sprache des Enneagramms sind leicht divergierend. Die Dreiteilung der grundlegenden neurotischen Tendenzen (1. gegen den anderen an, 2. von dem anderen weg, 3. auf den anderen hin) hat Claudio Naranjo und alle anderen Enneagramm-Experten ebenso von Karen Horney übernommen, wie neben der Analyse der Persönlichkeit die therapeutische Arbeit mit diesen Charakterfixierungen beziehungsweise -Strukturen.

  • Karen Horney gab wesentliche Impulse für die Entwicklung einer weiblichen Sichtweise auf die Psychoanalyse. Dies bewirkte einen Ausgleich der überwiegend patriarchalorientierten Psychoanalyse.

  •  Mit ihrem Anliegen, psychoanalytische Arbeit und Zen-Buddhismus zusammenzuführen hat sie, ähnlich wie C. G. Jung, einen wichtigen Beitrag zur Integration von Psychotherapie und Spiritualität geleistet, noch bevor dieses Thema von AnalytikerInnen und BegründerInnen der humanistischen Psychotherapie aufgegriffen wurde.